09.05.2017

Zusammenarbeit mit Unternehmen: Wirtschaftliche Ziele und entwicklungspolitischer Nutzen

Agrarexperte Gerd Fleischer: Unternehmen können dabei helfen, Erträge und Einkommen von Kleinbauern zu erhöhen.

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Die wirtschaftliche Entwicklung vieler Staaten hängt von einer leistungsfähigen Landwirtschaft hab – besonders in Entwicklungsländern. Ein Drittel aller arbeitenden Menschen weltweit ist in der Landwirtschaft tätig. Neben einer wichtigen Einkommensquelle, ist die landwirtschaftliche Produktion auch Nahrungsmittellieferant. In einigen Projekten zur ländlichen Entwicklung arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag der Bundesregierung mit privaten Unternehmen zusammen. Über die Erfahrungen spricht Gerd Fleischer, GIZ-Experte für Agrarinnovationen und Nachhaltigkeitsstandards.

Herr Fleischer, was ist das Ziel bei der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft?

Ziel ist es, die Erträge und Einkommen der Kleinbauern zu erhöhen, um damit die Lebensbedingungen für sie und ihre Familien zu verbessern. Wir wollen Armut und Hunger mindern. Das geht nur durch eine Professionalisierung der Landwirtschaft, insbesondere in kleinen Betrieben. Dabei können wir aber nicht einfach Standard-Lösungen implementieren, denn unterschiedliche Regionen der Welt brauchen unterschiedliche Lösungen. Dafür bringt die GIZ die nötige Erfahrung aus jahrzehntelanger internationaler Zusammenarbeit mit und setzt auf regional angepasste Ansätze. Neben der Beteiligung internationaler und deutscher Firmen werden auch gezielt nationale Unternehmen eingebunden. Wir beraten uns mit lokal ansässigen Forschungsinstituten und selbstverständlich mit den zuständigen Ministerien vor Ort.

Was ist der Vorteil daran, gemeinsam mit privaten Unternehmen zu arbeiten?

Wir haben hunderttausende Menschen mit unseren Projekten erreicht und deren Produktivität und damit auch das Einkommen gesteigert. Fehlende Infrastruktur und Technologien, mangelnde Bildung und auch fehlende Investitionen sind die größten Herausforderungen von Kleinbauern weltweit, aber vor allem in Afrika. Wir können die Menschen dabei unterstützen, Infrastruktur aufzubauen und sich am Markt stärker zu positionieren. Die Privatwirtschaft brauchen wir für Technologien und Investitionen. Bei solch einer Zusammenarbeit werden Vorteile für alle Beteiligten geschaffen. Wichtig ist, dass die wirtschaftlichen Ziele der Unternehmen einen klaren entwicklungspolitischen Nutzen für die Kleinbauern haben. Ohne diese gemeinsame Basis ist eine Zusammenarbeit nicht möglich.

Welche Erfolge haben Sie bereits erzielt?

In Kenia konnten in einem Projekt mit Kartoffelbauern die Erträge der Kleinbauern signifikant gesteigert werden. Dafür wurden unter anderem neue Kartoffelsorten getestet, moderne Anbaumethoden eingeführt und kompakte Landmaschinen eingesetzt, die sich speziell für kleinere Parzellen eignen. Im westlichen und südlichen Afrika konnten knapp eine Million Baumwollbauern ihre Produktivität um bis zu 40 Prozent und ihre Einkommen um rund ein Drittel steigern. Die GIZ hat sie im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in betriebswirtschaftlichen Schulungen und Trainings zu nachhaltigen Anbaumethoden weitergebildet. Mehr als 740.000 von ihnen wurden nach dem Nachhaltigkeitsstandard „Cotton made in Africa“ (CmiA) zertifiziert.