17.07.2017

Jahrespressekonferenz

Die GIZ stellt heute in Berlin ihren Unternehmensbericht vor. Krisenprävention und Stabilisierung werden in der Arbeit des Unternehmens immer wichtiger.

Konfliktregionen und fragile Staaten – immer häufiger wird die Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in instabilen Ländern nachgefragt. Häufig fehlt es an rechtsstaatlichen Strukturen und Sicherheit, was weitreichende Folgen für die Lebensbedingungen der Menschen hat. Schon heute sind mehr als die Hälfte der Länder, in denen die GIZ für die Bundesregierung und andere Auftraggeber tätig ist, fragile Staaten. „Krisenprävention und Stabilisierung werden in unserer Arbeit immer wichtiger“, sagte GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner anlässlich der Jahrespressekonferenz. „Stabilität schaffen heißt Perspektiven schaffen. Die Menschen brauchen Zugang zu funktionierenden staatlichen Dienstleistungen, zu Nahrung und Gesundheitsversorgung, zu Bildung und Arbeit, zu einem vertrauenswürdigen Rechtssystem und politischer Mitbestimmung. Nur dann kann es auf Dauer Stabilität und Frieden geben. Internationale Zusammenarbeit ist dabei unverzichtbar.“

Das spiegelt auch die Bilanz der GIZ wider. Im Jahr 2016 betrug das Geschäftsvolumen 2,4 Milliarden Euro, ein Wachstum von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aufträge stammen von der Bundesregierung, der Europäischen Union, aber auch von nationalen Regierungen oder den Vereinten Nationen. Hauptauftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Stabilität ist vor allem dort gefragt, wo sich Strukturen innerhalb kurzer Zeit massiv verändern. Daher zählte auch im vergangenen Geschäftsjahr die Unterstützung von Flüchtlingen und der sie aufnehmenden Gemeinden zu den wichtigsten Aufgaben der GIZ, vielfach im Auftrag des BMZ. „700 Millionen Menschen, die in extremer Armut leben und 65 Millionen Menschen auf der Flucht brauchen echte Lebensperspektiven in ihrer Heimat – Stabilität ermöglicht Zukunftsperspektiven“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der GIZ, Entwicklungsstaatssekretär Dr. Friedrich Kitschelt. „Die inzwischen fast 20.000 Kolleginnen und Kollegen der GIZ, die täglich im Aus- und Inland zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit beitragen, können sich der Wertschätzung der Bundesregierung gewiss sein. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist froh, auf einen so zuverlässigen und erfahrenen Partner wie die GIZ zählen zu können.“

84 Prozent aller Flüchtlinge fanden nach Angaben der Vereinten Nationen Aufnahme in Entwicklungsländern. Knapp ein Drittel von ihnen lebt in Afrika südlich der Sahara. Im Nahen Osten schultern vor allem die Länder rund um Syrien einen Großteil der Flüchtlingskrise. Libanon etwa beherbergt bei einer Bevölkerung von knapp sechs Millionen Menschen über eine Million Flüchtlinge, fast alle aus Syrien. „Umso wichtiger ist es, diese Länder darin zu unterstützen, mit dieser zusätzlichen Belastung umgehen zu können und so neuen Konflikten vorzubeugen“, sagte Gönner.

Die GIZ ist für die gesamte Bundesregierung tätig. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Arbeit für das BMZ einen Zuwachs um 220 Millionen Euro auf insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro. Darin enthalten sind 286 Millionen Euro von Dritten wie der Europäischen Kommission, ausländischen Regierungen oder Stiftungen, die als Kofinanziers zusätzliche Mittel zur Erweiterung der Maßnahmen bereitstellen. Bei Aufträgen anderer Bundesministerien – vom Bundesumweltministerium über das Auswärtige Amt bis hin zum Bundeswirtschaftsministerium – lag das Volumen im Jahr 2016 bei 315 Millionen Euro, ein Plus von 65 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Rund 149 Millionen Euro stammen daneben aus Aufträgen und Finanzierungen von Privatunternehmen, Stiftungen, multilateralen Organisationen und ausländischen Regierungen, die GIZ International Services im vergangenen Jahr erhalten hat. Mit diesen Beträgen unterstützt die GIZ die internationale Zusammenarbeit der Bundesregierung, ohne dafür deutsche Steuermittel zu verwenden.

Die zunehmende Nachfrage nach den Leistungen der GIZ spiegelt sich auch in der Entwicklung der Mitarbeiterzahl des Unternehmens wider. Für das Unternehmen arbeiteten zum Jahresende 2016 insgesamt 18.260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 941 mehr als im Vorjahr. Rund 70 Prozent der Beschäftigten – insgesamt 12.605 Personen – stammen aus den Einsatzländern. Zudem waren für die GIZ im vergangenen Jahr 643 Entwicklungshelfer weltweit tätig.