Ziviler Friedensdienst: Kambodschas Vergangenheit aufarbeiten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Versöhnung und Gerechtigkeit im Umfeld des Khmer Rouge Tribunals
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kambodscha
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2020

Ausgangssituation

Mehr als 40 Jahre nach der Diktatur der Roten Khmer in Kambodscha wird den Hauptverantwortlichen für die Ermordung von 1,7 Millionen Menschen weiterhin der Prozess gemacht. Das Rote-Khmer-Tribunal ist ein kambodschanischer Strafgerichtshof, der von den Vereinten Nationen unterstützt wird. Seine offizielle Bezeichnung lautet: "Außerordentliche Kammern an den Gerichten von Kambodscha". Dieser hat den ehemaligen Direktor eines Foltergefängnisses im Februar 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ende 2011 begann der Prozess gegen zwei ehemalige Führungsmitglieder der Roten Khmer. Die Hauptverhandlung in diesem Fall endete im Juli 2017. Im Zentrum der Anklage standen die Massenmorde an Vietnames*innen und der Bevölkerungsgruppe der Cham. Weitere Anklagepunkte waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von Zwangsverheiratungen und Vergewaltigungen, internen Säuberungen, Verfolgung von Buddhist*innen sowie Zwangsarbeit in Arbeitslagern. Das Urteil in erster Instanz wurde Ende 2018 gesprochen.

Die kambodschanische Bevölkerung ist durch den politisch motivierten Massenmord und Jahrzehnte des Bürgerkrieges bis heute traumatisiert. Die ungenügende Aufarbeitung der Vergangenheit behindert das Land im friedlichen Aufbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen.

Ziel

Die kambodschanische Gesellschaft kann die Schrecken von Bürgerkrieg und Völkermord besser verarbeiten und hat zunehmend Zugang zu Methoden und Strukturen ziviler Konfliktbearbeitung.

Vorgehensweise

Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) unterstützen mehrere staatliche und nichtstaatliche Partnerorganisationen dabei, die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit aufrechtzuerhalten und gemeinsam eine friedliche Zukunft zu gestalten. Schwerpunkte sind Jugend- und Bildungsarbeit.

Aufklärungskampagnen informieren die Bevölkerung über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, den Verlauf des Roten-Khmer-Tribunals und dessen Wirkung auf den sozialen Wiederaufbau. Die Botschaft von Gerechtigkeit und Versöhnung wird damit aus den Gerichtssälen in die kambodschanische Gesellschaft getragen. An Täter-Opfer-Dialogen werden sowohl Überlebende des Roten Khmer-Regimes als auch Täter*innen an der Aufarbeitung der Vergangenheit beteiligt.

Der ZFD unterstützt Reparationsprojekte und außergerichtliche Wiedergutmachungen, die für eine Entschädigung der Opfer und Überlebenden des Roten-Khmer-Regimes sorgen.

Die Förderung von Erinnerungskultur stellt dabei sicher, dass alle sozialen Gruppen am Aufbau einer friedlichen Zukunft beteiligt sind. Überlebende und Nachgeborene werden psychologisch betreut, um die traumatischen Erfahrungen verarbeiten zu können.

Wirkungen

Mehr als zwei Drittel der Kambodschaner*innen glauben, dass das Tribunal für Gerechtigkeit sorgt und zum sozialen Wiederaufbau beiträgt.

Im Prozess gegen die noch lebenden Hauptverantwortlichen des Roten-Khmer-Regimes waren 3.850 Nebenkläger*innen zugelassen. Über die Hälfte waren Frauen. Unter ihnen sind Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt. Die psychosoziale Begleitung hat Nebenkläger*innen nachweislich geholfen, dem Stress der Verfahren besser standzuhalten und im Gerichtssaal souverän zu sprechen.

Allgemeine und symbolische Reparationsprojekte helfen dabei, die Erinnerung aufrechtzuerhalten, Wissen zu vermitteln und seelische Wunden zu lindern.

Ehemalige Rote Khmer sowie Menschen, die stillen Widerstand geleistet oder Opfern geholfen haben, sprechen öffentlich. An Orten des Verbrechens sind Gedenkkomitees entstanden. Diese erinnern mit künstlerischen Mitteln an die Vergangenheit. Dialoge zwischen Jugendlichen und Überlebenden richten sich gegen das Vergessen. Zur Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit setzen sich Studierende mit dem Rechtsverfahren der „Außerordentlichen Kammern an den Gerichten von Kambodscha“ auseinander.

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