Verbesserung des Zugangs zu modernen Energiedienstleistungen in Nepal

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energising Development (EnDev) Nepal
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der Energiepartnerschaft EnDev, die von Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, der Schweiz und Schweden finanziert wird.
Land: Nepal
Politischer Träger: Ministry of Water and Irrigation (Ministerium für Wasser und Bewässerung)
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2021

Ausgangssituation

Trotz des enormen Potenzials für die Nutzung von Wasserkraft haben nur 76 Prozent der nepalesischen Bevölkerung Zugang zu elektrischem Strom. Hinzu kommt ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Während etwa 94 Prozent der Stadtbewohner an das öffentliche Stromnetz angebunden sind, gilt die für gerade einmal 61 Prozent der Landbevölkerung. Die Menschen auf dem Land sind nach wie vor auf traditionelle Energiequellen wie Brennholz, Mist und Ernteabfälle angewiesen, und viele nutzen beispielsweise Kerosinlampen und Kerzen als Leuchtmittel. Die Engpässe in der Stromversorgung beeinträchtigen die Bildungschancen, die Qualität der medizinischen Versorgung, den Zugang zu Informationen sowie die Möglichkeiten der Einkommenserzielung.

Ziel

Durch die Komponente „Netzgekoppelte Stromversorgung“ erhalten 14.500 Haushalte Zugang zum Stromnetz, während die Komponente „Netzferne Stromversorgung“ mithilfe von Klein- und Kleinstwasserkraftwerken 3.300 Haushalte elektrifiziert. 10.000 Haushalte werden mit verbesserten Kochherden ausgestattet. 180 soziale Einrichtungen und 2.650 Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen erhalten einen nachhaltigen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen.

Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Initiative Energising Development (EnDev), deren Ziel es ist, weltweit den Zugang zu zuverlässigen, erschwinglichen, sozialverträglichen und umweltfreundlichen Energiedienstleistungen zu verbessern. Es handelt sich um eine Partnerschaft mit mehreren Gebern, die derzeit vom niederländischen Außenministerium (MFA NL), dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der norwegischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (NORAD), dem britischen Ministerium für internationale Entwicklung (DFID), der schweizerischen Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der schwedischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA) finanziert und verwaltet wird.

In der dritten Phase unterstützt EnDev Nepal den Zugang zu modernen Energiedienstleistungen. Dazu fördert das Projekt die Kreditmittelvergabe an Gemeinden auf dem Land, damit diese ihre Haushalte an das Stromnetz anbinden oder aber netzferne Kleinwasserkraftwerke errichten können. Mit der netzgebundenen Elektrifizierung leistet EnDev einen Beitrag zu der vom nepalesischen Ministerium für Energie, Wasserressourcen und Bewässerung angestrebten gemeindebasierten Elektrifizierung des ländlichen Raums, die von der nepalesischen Elektrizitätsbehörde (NEA) vorangetrieben wird. Im Rahmen dieses Programms treten die Gemeinden gegenüber der NEA als Großkunden auf, sind für den Betrieb des lokalen Stromverteilungsnetzes verantwortlich und übernehmen die Abrechnung gegenüber der NEA und den einzelnen Verbrauchern. EnDev hat einen von der NEA verwalteten Rotationsfonds entwickelt, der den Gemeinden zinsgünstige Darlehen für Netzausbau und -modernisierung bietet. Darüber hinaus leistet EnDev technische Unterstützung beim Betrieb, der Wartung und dem Management der kommunalen Kleinwasserkraftwerke.

Zur Unterstützung der netzunabhängigen Stromversorgung arbeitet EnDev mit dem Alternative Energy Promotion Centre der nepalesischen Regierung zusammen und verschafft den Entwicklern von Kleinwasserkraftwerken einen Zugang zu Darlehensfinanzierungen. Dazu wurde ein Fonds zur Fremdkapitalfinanzierung aufgelegt, den zwei nepalesische Privatbanken verwalten. Einerseits sorgt der Fonds dafür, dass die Entwickler den notwendigen finanziellen Rückhalt für ihre Projekte haben, andererseits bietet er den Privatbanken die Möglichkeit, sich an Elektrifizierungsprojekten zu beteiligen. Dies wiederum schafft Anreize für die Finanzierung von Projekten, die üblicherweise als besonders risikobehaftet gelten.

EnDev Nepal arbeitet auch mit der niederländischen Entwicklungsorganisation SNV zusammen. Die SNV unterstützt die Errichtung von Kleinstwasserkraftwerken, um vor allem die entlegensten Regionen des Landes zu elektrifizieren.

Darüber hinaus unterstützt das Projekt die Einführung von verbesserten Kochherden bei möglichst vielen Haushalten. Die Kooperationspartner des Projekts sind Practical Action Nepal und SNV. Die Produzenten der Kochherde werden geschult und für jeden Projektbezirk werden Marktentwicklungspläne erarbeitet.

Wirkungen

Ursprünglich war geplant, bis März 2019 weltweit 20 Millionen Menschen Zugang zu nachhaltigen Energiedienstleistungen zu verschaffen. Dieses Ziel wurde bereits mit den bisherigen Projektphasen übertroffen: So haben inzwischen mehr als 21,3 Millionen Menschen durch EnDev einen Zugang zu Strom und Beleuchtungseinrichtungen oder zu verbesserter Kochtechnik erhalten.

Bis Juni 2019 wurden mehr als 323.000 Menschen an das Stromnetz angeschlossen bzw. werden jetzt über Kleinwasserkraftwerke mit Strom versorgt. Etwa 775 soziale Einrichtungen und beinahe 4.500 KKMU haben mithilfe des Projekts Zugang zu Strom erhalten, und ca. 175.000 Menschen wurden mit Kochherden ausgestattet, die weniger Energie verbrauchen.

Bis Ende 2019 hat EnDev Nepal 59 Unternehmen gefördert, die die Elektrifizierung der ländlichen Gemeinden voranbringen und sie mit Netzstrom versorgen. Die Entwickler von 30 Kleinwasserkraftwerken werden über den von zwei Geschäftsbanken geführten Rotationsfonds mit Projektfinanzierungen unterstützt. Dadurch können nun auch Orte in abgelegenen Regionen des Landes mit Strom versorgt werden. Von 26 fremdkapitalfinanzierten Kleinwasserkraftwerken konnten acht ihre Darlehen tilgen, und fünf sind inzwischen in der Lage, ihr Darlehen vollständig zurückzuzahlen.

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