Stärkung der Gesundheitsstrukturen in Burundi

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stärkung der Gesundheitsstrukturen im Bereich Familienplanung und Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Burundi
Politischer Träger: Programme Nationale de Santé de la Reproduction (PNSR)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

Wartebereich des Gesundheitszentrums © GIZ

Ausgangssituation

Mit einer Bevölkerungsdichte von 437 Menschen pro Quadratkilometer und anhaltend hohem Bevölkerungswachstum nimmt der Druck auf die natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen in Burundi weiter zu. 2018 brachte eine Frau im Durchschnitt 5,5 Kinder zur Welt, dies ist eine der höchsten Geburtenraten weltweit. Nur knapp 23 Prozent der Bevölkerung nutzen moderne Methoden zur Empfängnisverhütung und zur Familienplanung (Kontrazeptiva). Das Bevölkerungswachstum bringt auch das Schul- und Gesundheitswesen an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.

Über die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre. Genderbasierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist verbreitet. Soziokulturelle Gegebenheiten verhindern einen positiven Umgang mit Themen wie Sexualaufklärung und Familienplanung. Die burundische Regierung hat angesichts dieser Situation erklärt, vorrangig das Bevölkerungswachstum eindämmen zu wollen sowie die sexuelle und reproduktive Gesundheit zu verbessern. Beides wurde zur nationalen Priorität erklärt. Ebenfalls sollen die damit verbundenen Rechte (SRGR) geachtet werden.

Ziel

Die Qualität der Versorgung mit Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRGR) ist in den Provinzen Mwaro, Muramvya und Gitega verbessert.

Burundi © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben orientiert sich am nationalen Entwicklungsplan und unterstützt das Nationale Programm für reproduktive Gesundheit (PNSR) dabei, seinen Strategieplan umzusetzen. Es ist in den Provinzen Mwaro, Muramvya und Gitega tätig. Das Vorhaben umfasst zwei Handlungsfelder:

  • Stärkung der Kompetenzen der Gesundheitsdistrikte und Gesundheitszentren bei der Umsetzung eines angepassten Qualitätsmanagements
    Das Vorhaben plant und führt einen Qualitätswettbewerb durch, an dem die Gesundheitszentren teilnehmen können. Qualitätsassistent*innen der Gesundheitsdistrikte begleiten die Gesundheitszentren dabei, ihre Ressourcen im Sinne einer verbesserten Qualität einzusetzen. Im Mittelpunkt des Veränderungsprozesses steht das Personal des Gesundheitszentrums. Anhand von Fragebögen bewerten sie die Qualität der eigenen Dienstleistungen, vor allem zu Familienplanung, sexuell übertragbaren Krankheiten, sexualisierter Gewalt und Sexualaufklärung auch für Jugendliche und junge Erwachsene. Sie erarbeiten gemeinsam einen Plan zur Verbesserung und überprüfen dessen Umsetzung. Eine Jury legt die Gewinner des Wettbewerbs fest. Der gesamte Prozess wird von Expert*innen des Vorhabens begleitet. Geplant ist, Methoden und Handreichungen aus dem Qualitätswettbewerb an die Gesundheitsdistrikte zu übergeben.
  • Sensibilisierung junger Menschen für SRGR durch Netzwerke aus Zivilgesellschaft, verschiedenen Sektoren (Bildungseinrichtungen, Kommunen, Kirchen/Gemeinden, staatliches Familienzentrum) und Konfessionen
    Das Vorhaben unterstützt insgesamt 29 Netzwerke, die im Wirkungskreis der Gesundheitszentren gegründet wurden. In diesen Netzwerken sind neben dem Gesundheitszentrum und der Kommune, auch Schulen, Familienzentren sowie Nichtregierungsorganisationen und religiöse Führer vertreten. Durch die Arbeit der Netzwerke werden vor allem junge Menschen und besonders schutzbedürftige Gruppen zu den Themen SRGR, Familienplanung, sexuell übertragbare Krankheiten sowie sexuelle und genderbasierte Gewalt aufgeklärt. Außerdem wurde ein Verein für alleinstehende junge Mütter gegründet, in dem diese sich gegenseitig unterstützen und auf Augenhöhe Aufklärungsarbeit für junge Frauen und Mädchen leisten. Des Weiteren unterstützt das Vorhaben den Dialog zwischen religiösen Führern untereinander und mit den Gesundheitszentren.

Wirkungen

Seit 2013 stieg in den drei Provinzen des Projektgebietes die Anzahl der Nutzer*innen von modernen Verhütungsmitteln von 59.738 im Jahr 2015 auf 64.991 im Jahr 2017 (Quellen: PNSR, 2016; PNSR, 2018).
Bisher haben 68 Gesundheitszentren freiwillig am Qualitätswettbewerb teilgenommen. Die Zentren verbesserten beispielsweise die Warteräume und verkürzten die Wartezeiten. Sie achteten zunehmend auf die Standards zu Vertraulichkeit (vor allem für Jugendliche). Die Hygiene in den Zentren wurde ebenfalls verbessert. Das Thema Familienplanung wurde in die medizinische Behandlung, Ernährungsberatung oder Impfungen aufgenommen. Durch bessere Kompetenzen der Qualitätsassistent*innen konnte die Aneignung des Qualitätsmanagementansatzes durch die Distrikte gesteigert werden.

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Seit Projektbeginn entstanden 29 lokale Netzwerke, die sich mit der Aufklärung zu SRGR vor allem von jungen Menschen befassen. In diesen Netzwerken sind über 230 Akteure aktiv, darunter Kommunen, Gesundheitszentren, Jugendgruppen, Kirchen und 114 Schulen. Durch die Arbeit der Netzwerke wurden 82.152 Jugendliche erreicht. Außerdem gelang es, einen Dialog zwischen religiösen Führern und Gesundheitspersonal zu Themen der Demografie zu initiieren. Es konnten erstmalig Informationsveranstaltungen zu reproduktiver Gesundheit in 30 konfessionell gebundenen Schulen durchgeführt werden.

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