Ziviler Friedensdienst: Friedensarbeit und psychosoziale Unterstützung in der Große-Seen-Region

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Förderung von Friedenskompetenzen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken in der Region der Großen Seen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Burundi, Ruanda, DR Kongo (Osten)
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2021

ZFD Ruanda. Assumpta Mugiraneza, Direktorin des ZFD-Partners IRIBA, spricht auf dem internationalen Kolloquium „Archive der Stille“. (Kigali 2016) © James Rwasa / GIZ

Ausgangssituation

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurde die Region der Großen Seen zum Schauplatz zahlreicher gewaltsamer Konflikte. Sie haben großes Leid in der Bevölkerung Ruandas, Burundis, der der Demokratischen Republik (DR) Kongo und Ugandas verursacht und führten zum Tode mehrerer Millionen Menschen. Ein zentraler Konfliktfaktor besteht in dem Scheitern, politische Systeme zu etablieren, die gesellschaftliche Teilhabe und eine friedliche Machtübergabe garantieren. Die Polarisierung ethnischer Gruppen hat in den Ländern der Region wiederholt zum Ausbruch von Gewalt geführt. Darin lag und liegt jeweils die Gefahr, dass die Gewalt auf die Nachbarländer übergreift. In ähnlicher Weise tragen Massenvertreibungen und Flucht in der Region dazu bei, die Auswirkungen der jeweiligen Konflikte zu verstärken. Die Ausbeutung von Bodenschätzen, Landknappheit und die Ausbreitung von Kleinwaffen über Landesgrenzen hinweg tragen ebenso zur Instabilität in der Region bei. Auch wenn sich die Projektländer hinsichtlich politischer Stabilität, Wirtschaftsentwicklung und Vergangenheitsbewältigung zum Teil erheblich unterscheiden, sind die Folgen der Gewalt für die Bevölkerung und das gesellschaftliche Gefüge sehr ähnlich.

Ziel

Der Bevölkerung in der Region ist der eigene Handlungsspielraum bewusst und sie nutzt verschiedene Optionen, friedensfördernd zu handeln und zu kommunizieren. Durch kritische Reflexion widersteht sie eventuellen Manipulationsversuchen und Aufrufen zu Gewalt.

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Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt bisher insgesamt 16 zivilgesellschaftliche Organisationen in ihren Friedens- und Versöhnungsbemühungen. Zwölf davon sind in Ruanda und vier Burundi. Aktuell werden Partnerschaften mit vier weiteren Organisationen der Zivilgesellschaft in der Kivu-Region initiiert.

Die Fachkräfte des ZFD beraten, unterstützen und stärken vorhandene Potenziale und begleiten Prozesse. Des Weiteren fördern sie die Partner in ihrer Kompetenz, Konflikte frühzeitig zu erkennen und diese gewaltfrei zu bearbeiten sowie in Bezug auf eine Wertschätzung und Teilhabe aller Menschen (soziale Inklusion). In enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) und in Vernetzung mit anderen internationalen Akteuren arbeitet der ZFD grenzübergreifend in der Große-Seen-Region an folgenden Themen:

Psychosoziale Unterstützung: für Menschen auf der Flucht, traumatisierte Bevölkerungs- und andere schutzbedürftige Gruppen.

Vergangenheitsarbeit: Der ZFD identifiziert und stärkt friedensfördernde und verbindende Aktivitäten, um die Versöhnungsbemühungen in der Region zu unterstützen.

Dialog: Es werden Dialogräume geschaffen und grenzübergreifende Austauschprozesse angeregt. In ihnen entwickeln und vertreten vor allem Jugendliche ihre eigenen Ansichten darüber, wie eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung und eine tolerante Gesellschaft in der Region aussehen kann. Regional werden ein Perspektivwechsel und der Abbau von negativen Stereotypen gefördert. 

Friedensjournalismus: Junge Menschen gestalten Radiosendungen und üben so konfliktsensiblen Journalismus. Gemeinsame Sendungen mit den Jugendprojekten in Burundi und Nordkongo überwinden Grenzen und fördern gegenseitiges Verständnis. 

Konfliktbearbeitung: ZFD-Fachkräfte unterstützen Partnerorganisationen dabei, den Fokus auf die gewaltfreie Bearbeitung von alten und neuen Konflikte zu legen.

Netzwerk-und Advocacyarbeit: Partnerorganisationen engagieren sich aktiv in relevanten lokalen, nationalen und/oder regionalen Netzwerken, die ein gemeinsames Verständnis von Konfliktdynamiken sowie gemeinsame Positionen und Ziele befördern und Strategien der Friedensförderung effektiv voranbringen.

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Wirkungen

  • Im Zuge des grenzüberschreitenden Friedenskonsolidierungsprogramms „Tujenge Amani“ werden Kunst-, Film- und Sportprojekte angeboten. Die Teilnehmenden aus Ruanda und der DR Kongo konnten dort ihre Vorurteile und negative Wahrnehmungen anderer Gruppen überdenken und abbauen.
  • Freiwillige wurden in Traumaberatung und Konfliktbearbeitung geschult. Sie haben psychosoziale Dienste und Vermittlungsdienste erbracht.
  • Eine Reihe von Gedenkkonferenzen, Workshops und mobilen Ausstellungstouren wurde durchgeführt, um den Dialog zwischen den Generationen und den Austausch über Erfahrungen mit Gewalt und Völkermord zu erleichtern. Dies hat ein kompromissbereites Verständnis von Gedenken und Versöhnung unterstützt.
  • Schlüsselakteure wurden in Methoden der Konfliktbearbeitung und der Sensibilisierung für Menschenrechte geschult.
  • Schüler*innen und Lehrer*innen haben ihre Fähigkeiten im Bildungskino (Cineduc) und in den „Methoden des öffentlichen Sprechens und Austauschs“ auf in den Gemeinden, Regionen und auf nationaler Ebene eingesetzt.
  • Die ZFD-Partner haben einen „Werkzeugkasten für kritisches Denken“ entwickelt, um im Unterricht und auf Diskussionen in Schulen und Friedensclubs zu informieren.
  • Konfliktsensible Radiosendungen werden von Jugendlichen in der gesamten Region der Großen Seen verfolgt. Junge Menschen werden als verantwortungsbewusste Akteure bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven für einen nachhaltigen friedlichen Dialog geschätzt.

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