Fair für Mensch und Umwelt: Produktionsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien verbessern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung einer nachhaltigen Textil- und Bekleidungsindustrie in Asien (FABRIC)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Asien, insbesondere Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und Vietnam
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2021

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Ausgangssituation

Die Textilindustrie ist für viele asiatische Länder ein zentraler Wirtschaftszweig. In Bangladesch und Kambodscha macht sie rund 80 Prozent aller Exporteinkünfte aus. In Pakistan sind es mehr als 50 Prozent. Das Ziel ist weiteres Wachstum. So unterschiedlich die Ausgangsbedingungen dabei in den Ländern sind, so ähnlich sind die großen Herausforderungen: menschenwürdige Bedingungen für die Arbeiter*innen sicherstellen und Umweltbelastungen reduzieren. 

Damit dies bei weiterem Wachstum gewährleistet werden kann, müssen soziale, ökologische und ökonomische Bedingungen in der Industrie verbessert werden. Das kann allerdings nur gemeinsam funktionieren. Die Produktionsbetriebe vor Ort, die Wirtschaftsverbände, die zuständigen Ministerien, die Gewerkschaften, die Zivilgesellschaft und die internationalen Modemarken können viel voneinander lernen, wenn sie intensiver als bislang zusammenarbeiten.

Ziel

Die Produktionsbedingungen in der asiatischen Textil- und Bekleidungsindustrie sind fair für Mensch und Umwelt.

Vorgehensweise

Regionaler Austausch und Wissenstransfer: Enge Netzwerke und ein intensiver Wissensaustausch helfen der Branche, sozialverträgliche, umweltschonende und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle flächendeckend umzusetzen. Das Projekt schafft die Voraussetzungen für einen solchen Austausch, indem es die Akteure zusammenbringt. Es schafft Vertrauen und motiviert dazu, sich für einen stärkeren Wissenstransfer einzusetzen. 

Kooperation mit der Privatwirtschaft: Das Projekt motiviert die internationalen Einkäufer*innen, ihre Marktmacht für bessere Sozial- und Umweltstandards einzusetzen. Sie können die Situation in den Fabriken vor Ort verbessern, indem sie zum Beispiel gemeinsam mit den Produzent*innen Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen erarbeiten. Durch strategische Allianzen oder integrierte Entwicklungspartnerschaften können diese Lösungen weitergetragen werden. 

Sozial- und Arbeitsstandards: Arbeiter*innen sind zunehmend bereit, für ihre Rechte einzutreten. Gleichzeitig steigt der Druck durch Konsument*innen und internationale Einkäufer*innen. Das Projekt verfolgt das Ziel, mehr Bewusstsein, Information und Leistungsfähigkeit im Bereich Arbeits- und Sozialstandards zu schaffen. Dazu arbeitet FABRIC mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite zusammen, indem es sozialen Dialog, betriebliche Interessensvertretung sowie die Einführung von Managementsystemen fördert.

Gleichberechtigung der Geschlechter: Der Großteil der Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie sind Frauen. Sie arbeiten meist in niedrigqualifizierten, schlechtbezahlten Jobs mit wenig Aussicht auf Aufstieg. Das Projekt schafft die Voraussetzungen dafür, dass sie ihre Interessen vertreten können. Es verbessert die Beratungsangebote für Arbeiterinnen und entwickelt gezielte Qualifikationsangebote. 

Umwelt: FABRIC verfolgt das Ziel, regionale Lernerfahrungen und Lösungsansätze zu Umwelt- und Ressourcenmanagement länderübergreifend zu verbreiten. Dabei geht es einerseits darum, konkretes Wissen weiterzuvermitteln, beispielsweise zur Vermeidung giftiger Chemikalien. Andererseits verdeutlicht das Projekt den beteiligten Gruppen, wie relevant ein effizientes Umweltmanagement ist und unterstützt sie dabei, entsprechende Maßnahmen umzusetzen

Wirkungen

Arbeitsbedingungen und -rechte: Rund 70.000 Arbeiter*innen in über 50 Fabriken in Kambodscha, Myanmar und Pakistan haben von Dialogtrainings mit Management und Vertreter*innen der Beschäftigten profitiert. Einige dieser Trainings hat das Projekt gemeinsam mit internationalen Handelsketten umgesetzt. Nach den Trainings sank beispielsweise die Unfallquote in teilnehmenden Fabriken um bis zu 34 Prozent. In Kambodscha hat FABRIC gemeinsam mit dem Arbeitsministerium den Verhaltenskodex für Arbeitsinspektor*innen überarbeitet und auf dieser Grundlage 180 Arbeitsinspektor*innen aus- und weitergebildet.

Rechte der Arbeiterinnen: In Frauenzentren können sich Arbeiterinnen in Myanmar außerhalb ihrer Arbeit treffen. Dort hat FABRIC eine Rechtsberatung eingerichtet, in der sich bislang rund 600 Frauen über zentrale Bestandteile des Arbeitsrechts informiert haben. Gemeinsam mit der sequa gGmbH hat das Projekt die App „Shwe Job“ entwickelt, die zu Arbeitsrecht und -sicherheit aufklärt. Mehr als 11.000 Beschäftigte nutzen diese App. 20 Produzent*innen haben sie in ihren Fabriken eingeführt.

Regionaler Wissenstransfer: FABRIC hat das erste interasiatische Netzwerk von Produzentenverbänden aufgebaut, das STAR-Network. Aus der Kooperation ist die Konferenzreihe „Asian Dialogues on Sustainable Production in the Textile and Garment Sector“ entstanden. Dort treffen sich Vertreter*innen aus der asiatischen Industrie, der öffentlichen Hand, der Einkäuferseite oder auch der Arbeitnehmerseite, um sich auszutauschen und die Zusammenarbeit zu stärken. Mehr als 600 Teilnehmer*innen besuchten die acht Veranstaltungen in fünf Partnerländern.

Kooperation mit chinesischen Investor*innen: Die meisten Textilfabriken in Kambodscha und Myanmar befinden sich im Besitz ausländischer Investor*innen, vor allem aus China. FABRIC hat Trainings organisiert, in denen sie sich in Themenbereichen wie lokales Arbeitsrecht, Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und kulturelle Besonderheiten fortbilden konnten.

Asien. Beim runden Tisch zu nachhaltiger Produktion im Textilsektor diskutieren die Teilnehmenden aus Bangladesch, China, Kambodscha, Myanmar und Pakistan gemeinsame Herausforderungen und entwickeln Lösungsideen. © GIZ

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