Existenzgrundlagen für die lokale Bevölkerung und Rückkehrer*innen sichern

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Stabilisierung der Lebensgrundlagen in Ninewa (Irak)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Irak
Politischer Träger: Ministerium für Planung
Gesamtlaufzeit: 2016 bis 2020

gizIMAGE-01-rueckkehr-irak

Ausgangssituation

Die Provinz Ninewa im Nordwesten des Iraks war seit Anfang 2014 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und anderen islamistischen Gruppen. Nach wie vor können mehr als 420.000 Binnenvertriebene aus Ninewa nicht in ihre Heimatorte zurückkehren.

Die Infrastruktur in den Gemeinden ist größtenteils zerstört. Deshalb sind soziale Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung nur noch unzureichend verfügbar. Außerdem sind weite Teile des Gebietes vermint.

Ziel

Die Grundlagen für einen friedlichen Wiederaufbau sind gestärkt. Dazu gehören die wirtschaftliche Stabilisierung von Haushalten, der Wiederaufbau öffentlicher Infrastruktur sowie die Fähigkeit der lokalen Bevölkerung, Konflikte friedlich beizulegen.

Vorgehensweise

Die Projektaktivitäten tragen dazu bei, Frieden zu fördern, Jugendlichen Perspektiven zu schaffen, Einkommen zu ermöglichen und damit die Lebensgrundlagen zu verbessern. Der Wiederaufbau öffentlicher Infrastruktur soll dabei gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden stärken.

Zur Friedensförderung wurde ein Gremium gegründet, das alle friedensbildenden Maßnahmen in Ninewa plant, steuert und koordiniert. Es arbeitet auf Koordinierungsebene der Vereinten Nationen (UN) und vereint Vertreter*innen der irakischen Regierung, internationaler und nationaler (Nichtregierungs-) Organisationen sowie der Zivilgesellschaft. Auch auf Gemeindeebene unterstützt das Vorhaben friedensfördernde Aktivitäten, wie beispielsweise Verhandlungs- und Führungstrainings für Stammes- und Religionsführer und Jugendgruppen.

Mit einkommensschaffenden Maßnahmen kann die lokale Bevölkerung einen eigenen Lebensunterhalt verdienen und gleichzeitig die öffentliche Infrastruktur wieder aufbauen. Dazu gehören zum Beispiel die Pflege und Reinigung von Straßen, Parkanlagen und Gemeindezentren.   

Um die lokale Wirtschaft wiederzubeleben, erhalten Kleinstunternehmer*innen Fördermittel, mit denen sie entweder ein neues Unternehmen gründen oder ihr bereits bestehendes Unternehmen wiederaufbauen können. Vor der Förderung nehmen die Unternehmer*innen an Businessmanagement-Schulungen teil und entwickeln dort einen Business-Plan. So wird sichergestellt, dass die Förderung zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beiträgt.
Mit verschiedenen Bildungsangeboten werden Perspektiven für die Jugend geschaffen. Kinder und Jugendliche, die während der Zeit der IS-Besatzung nicht zur Schule gehen konnten, erhalten an staatlich zertifizierten Lernzentren (sogenannten „Accelerated Learning Centres“) Wochenendunterricht, um verpasste Lerninhalte nachzuholen. Junge Erwachsene werden mit fachlichen und technischen Berufsausbildungen und der Vermittlung passender Praktika unterstützt. Damit vor allem auch Mädchen diese Angebote nutzen können, werden Familien in den Gemeinden von ausgebildeten Mediator*innen über die Bedeutung von Bildung informiert.

gizIMAGE-02-rueckkehr-irak

Wirkungen

Die im Oktober 2018 gegründete Arbeitsgruppe für Frieden und Versöhnung (Peace and Reconciliation Working Group) hält regelmäßige Sitzungen ab, an denen über 30 verschiedene Interessensgruppen teilnehmen. Diese Gruppe koordiniert die friedensfördernden Aktivitäten lokaler und internationaler (Nicht-)Regierungsorganisationen sowie der irakischen Regierung. Damit werden Dopplungen von Aktivitäten vermieden und wichtige Themen der Friedensförderung, die noch nicht bearbeitet werden, identifiziert.

Um in der Gesellschaft Friedensprinzipien und interreligiösen Dialog zu vermitteln, werden Sensibilisierungskampagnen durchgeführt. Hierfür wird zum Beispiel eine Broschüre zum Thema „interreligiöser Frieden“ eingesetzt, die die GIZ gemeinsam mit Vertreter*innen der muslimischen, jesidischen und christlichen Gemeinden entwickelt hat.

Seit 2016 haben mehr als 32.000 Haushalte finanzielle Unterstützung durch direkt entlohnte Arbeit („Cash for Work“-Aktivitäten) erhalten. Mithilfe von über 130 Projekten in den verschiedenen Gemeinden konnten die Teilnehmer*innen ein eigenes Einkommen verdienen und gleichzeitig die öffentliche Infrastruktur instand setzen. So wurden zum Beispiel 30 Schulen wiederaufgebaut, an denen mehr als 9.000 Schüler*innen unterrichtet werden.

2018 wurden elf Accelerated Learning Centers eröffnet, in denen derzeit mehr als 1.000 Schüler*innen ihre Grundschulausbildung nachholen. Mehr als 720 Mädchen und Jungen haben bereits ihre Abschlussprüfungen abgelegt.

Downloads

Weitere Informationen