Schutzgebiete auf lokaler Regierungsebene: Unterstützung von Städten und Gemeinden in Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru beim Erhalt der Biodiversität (BMU)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutzgebiete und andere gebietsbezogene Schutzmaßnahmen auf lokaler Regierungsebene
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Land: Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Peru
Politischer Träger: ICLEI – Local Governments for Sustainability und International Union for Conservation of Nature (IUCN); Umweltministerien von Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru
Gesamtaufzeit: 2016 bis 2020

Lomas de Lucumo, Peru. © GIZ / Jens Brüggemann

Ausgangssituation

In Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru gibt es eine biologische Vielfalt von globaler Bedeutung. Der politische Willen der vier Staaten, diese Vielfalt zu bewahren, ist erkennbar – in der Ratifizierung des Übereinkommens über biologische Vielfalt (CBD) und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) sowie in der Ausweisung und dem Management vorwiegend nationaler Schutzgebiete. Zwischen 10 und 25 Prozent ihres Staatsgebiets stellen die Länder jeweils unter Schutz.

Als Bestandteile eines umfassenden Systems tragen Schutzgebiete und andere gebietsbezogene Schutzmaßnahmen auf lokaler Regierungsebene dazu bei, natürliche Lebensräume nachhaltig zu sichern.

In den vier Ländern gibt es bereits gebietsbasierte Schutzmaßnahmen der Lokalregierungen. Der gesetzliche Status lokaler Schutzgebiete variiert jedoch von Staat zu Staat. Brasilien und Ecuador erkennen von Lokalregierungen ausgewiesene und gemanagte Schutzgebiete grundsätzlich als Teil des nationalen Schutzgebietssystems an. In Peru und Kolumbien ist das bislang nicht der Fall.

Der Beitrag von Städten und Gemeinden für den Biodiversitätsschutz ist oft wenig sichtbar. Finanzielle Mittel für den Schutz der Biodiversität sind begrenzt. Die Initiativen sind kaum in Planungsprozesse und Raumentwicklungsstrategien eingebunden. Außerdem fehlen Verständnis und Wissen über die Bedeutung von Schutzgebieten und -maßnahmen für die nachhaltige Entwicklung vor Ort. Dies gilt besonders in Bezug auf die Bereitstellung wichtiger Ökosystemdienstleistungen wie Trinkwasser, Naherholung und Schutz vor klimawandelbedingten Katastrophen.

Ziel

Lokalregierungen in Brasilien, Ecuador, Kolumbien und Peru verfügen über bessere Bedingungen, um Biodiversität durch effektives und gleichberechtigtes Management von Schutzgebieten und anderen gebietsbezogenen Schutzmaßnahmen zu erhalten.

Parque Metropolitano Pituaçu, Salvador da Bahia. © GIZ / Jens Brüggemann

Vorgehensweise

Das Projekt wird in Kooperation mit ICLEI – Local Governments for Sustainability, einem weltweiten Verband von Städten und Gemeinden für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, sowie der International Union for Conservation of Nature (IUCN), einer internationalen Nichtregierungsorganisation im Umweltbereich und Dachverband zahlreicher internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, durchgeführt. Politische Träger sind die Umweltministerien der beteiligten Länder. Das Projekt arbeitet in den Ländern eng mit Lokalregierungen sowie ihren Verbänden und Netzwerken zusammen.

Die Maßnahmen bauen auf den Erfahrungen bestehender Initiativen auf und setzen auf mehreren Ebenen an:

  • Leistungsfähigkeit von Lokalregierungen stärken: Lernerfahrungen sowie bestehende Management- und Finanzierungsinstrumente werden systematisiert und genutzt, um adäquate Trainingstools für Akteure der Lokalregierungen zu erarbeiten, anzupassen und umzusetzen.
  • Die Rolle von Lokalregierungen beim Biodiversitätsschutz stärker im gesetzlichen und institutionellen Rahmen verankern: Auf der Basis einer Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen werden entsprechende Politikempfehlungen erarbeitet.
  • Herausforderungen und Nutzen lokaler Schutzgebiete und weiterer Schutzmaßnahmen kommunizieren: Die Bedeutung von Schutzmaßnahmen lokaler Regierungen wird zielgruppenspezifisch kommuniziert. Lernerfahrungen werden bei nationalen und internationalen Veranstaltungen und in maßgeblichen Fachforen verbreitet.

Wirkungen

In São Paulo, Quito und Limafanden Regionalkonferenzen zur Situation von lokalen Schutzgebieten in den vier Ländern statt. Sie wurden von den Teilnehmer*innen genutzt, um sich über Grenzen hinweg auszutauschen. Sie verleihen den Aktivitäten der Kommunen zum Schutz der biologischen Vielfalt Gehör und erkennen an, was die jeweiligen Umweltministerien für die Verbesserung des rechtlichen und institutionellen Rahmens unternehmen.

In Brasilien wurden in einem Pilotworkshop sechs Kommunen in der Methodik zur Integration von Ökosystemleistungen in das Management lokaler Schutzgebiete geschult. Die Stadt Florianópolis wendete diese bei der Erstellung ihres kommunalen Plans zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung des atlantischen Küstenregenwaldes an.

In Ecuador wurden die Bestimmungen der neuen Umweltgesetzgebung erarbeitet, welche die rechtliche Situation lokaler Schutzgebiete und anderer gebietsbasierter Schutzmaßnahmen regeln. Die dezentralen autonomen Regierungen verfügen dadurch über verbesserte Voraussetzungen, eigene Schutzgebiet-Subsysteme einzurichten und zu bewirtschaften. Die Kommunen berichten, dass die vom Projekt unterstützte Anerkennung des Biosphärenreservats Chocó Andino de Pichincha sowohl einen Dialog zwischen als auch Allianzen und Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Interessensgruppen ermöglicht. Diese erhalten die Biodiversität und bringen Vorteile für die lokale Bevölkerung.

In Kolumbien erstellte die Projekt-Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen von Lokalregierungen Beiträge für die Anerkennung sogenannter „Komplementärer Naturschutzstrategien“ und unterstützte die Publikation „Voces de la gestión territorial“. Die Kommunen wurden erstmalig in den Dialog zur Gestaltung der regionalen Schutzgebietssysteme einbezogen. Bestehende städtische Schutzgebietssysteme wurden katalogisiert. Die Erfahrungen wurden dem Umweltministerium für die Ausarbeitung der neuen Schutzgebietspolitik zur Verfügung gestellt.

In Peru wurde ein Leitfaden erstellt, mit dem gebietsbezogene Schutzmaßnahmen der Kommunen als Teil einer nachhaltigen Landnutzungsplanung identifiziert werden können. Die Erfahrungen fließen über die Task Force der IUCN Weltkommission für Schutzgebiete in die Diskussionen der CBD zur Systematisierung und Anerkennung eben dieser ein.

Pedra Grande, Parque Estadual da Cantareira, São Paulo. © GIZ / Jens Brüggemann