Wirtschaftliche Diversifizierung des ländlichen Raums

Projektbeschreibung

Bezeichnung: Unterstützung der wirtschaftlichen Diversifizierung des ländlichen Raums in Südosteuropa (SEDRA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Länder: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien
Politischer Träger: Standing Working Group for Regional Rural Development in South Eastern Europe (SWG RRD)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Ausgangssituation

Die südosteuropäischen Länder sind von einem großen Gefälle zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum geprägt. Fast die Hälfte der Bevölkerung Südosteuropas lebt auf dem Land, die Mehrheit davon ist finanziell von Land- und Forstwirtschaft abhängig und generiert durchschnittlich 12 Prozent des Bruttosozialprodukts der Region. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten beträgt ca. 20 Prozent und reicht von 8 Prozent in Montenegro bis zu 41,4 Prozent in Albanien. In den meisten ländlichen Gebieten haben fehlende Möglichkeiten der Einkommensgenerierung und fehlende Arbeitsplätze, Landflucht und die Aufgabe von Agrarflächen sowie die nicht nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftskraft, einer Verschlechterung der Lebensqualität, einer Abnahme der bewirtschafteten Flächen und einem großen Verlust an Biodiversität geführt. Darüber hinaus birgt in Südosteuropa aufgrund der ethnischen und kulturellen Spaltungen, die sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch zwischen ihnen bestehen, nach wie vor erhebliches Konfliktpotenzial. Dies behindert die Zusammenarbeit und bleibt eine ernste Bedrohung für die Stabilität der Region. Schlechte Governance und schwache Verwaltungsbehörden sind eine zusätzliche Gefahr für die innere Stabilität der einzelnen südosteuropäischen Länder. 

Das Kernproblem, dem sich das SEDRA-Programm widmet, sind die unzureichenden Kapazitäten der verantwortlichen Stakeholder im Hinblick auf die Unterstützung der wirtschaftlichen Diversifizierung und der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen im ländlichen Raum.

Der neue Anlauf im EU-Beitrittsprozess ist für die sechs südosteuropäischen Länder der Hauptanreiz dafür, ihre politischen Maßnahmen und Instrumente zur ländlichen Entwicklung zu harmonisieren und anzupassen. Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien streben die Umsetzung des EU-Rechts an und müssen ihre Strategien, politischen Maßnahmen und Vorschriften mit denen der EU harmonisieren. Ein explizites Ziel der EU ist die Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts durch die Strukturpolitik der Gemeinschaft, die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und die sie flankierenden Rechtsinstrumente. Vor dem Hintergrund des hohen Anteils der ländlichen Bevölkerung sind Agrarpolitik und ländliche Entwicklung die Schlüsselbereiche für eine nachhaltige Entwicklung.

Zwar stehen die nationalen Strategien zur Umsetzung der Agenda 2030 noch am Anfang, doch trägt das Projekt direkt zu den folgenden UN-Zielen für Nachhaltige Entwicklung bei: (1) Keine Armut, (2) Kein Hunger, (8) Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum sowie (15) Leben an Land.

Ziel

Ausgewählte Stakeholder in Südosteuropa sind in ihren institutionellen Kapazitäten gestärkt und unterstützen daher eine EU-konforme wirtschaftliche Diversifizierung des ländlichen Raums.

Vorgehensweise

Das Projekt trägt zur wirtschaftlichen Diversifizierung des ländlichen Raums bei und beeinflusst somit die Lebensentscheidungen der ländlichen Bevölkerung positiv, da Menschen eine Perspektive für sich und ihre Familie sehen und in nachhaltige Geschäftsmodelle investieren können. In diesem Prozess besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Regional Rural Development Standing Working Group (SWG RRD) für Südosteuropa. Die SWG RRD ist die einzige regionale Organisation mit einem politischen Mandat für die grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen nationalen, regionalen und lokalen Stakeholdern in den Bereichen Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Ihre Kernfunktionen sind Politikanalyse, Politikberatung, Vernetzung und Kapazitätsaufbau, insbesondere im Kontext des EU-Beitrittsprozesses/-Heranführungsprozesses.

Das SEDRA-Projekt ist in drei Bereichen aktiv:

     1. Regionale Zusammenarbeit und Politikberatung
SEDRA stärkt die regionalen und nationalen Kapazitäten durch themenspezifische politische Dialoge sowie die Bereitstellung von technischem Fachwissen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Diversifizierung und ihrer Rolle als Schlüsselstrategie für die ländliche Entwicklung. Ferner leistet das Projekt Unterstützung durch den Ausbau der regionalen Kooperationsstrukturen und -mechanismen. Damit sollen eine intensivere Zusammenarbeit auf breiter Basis und ein höherer Selbstfinanzierungsanteil gefördert werden. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Kompetenzen und das Fachwissen der regionalen Stakeholder und leistet einen Beitrag zur Bildung von Arbeitsgruppen, die sich mit den verschiedenen Aspekten der wirtschaftlichen Diversifizierung des ländlichen Raums befassen. Dies führt zu einer schnelleren Harmonisierung der jeweiligen Gesetze, Vorschriften und Verfahren mit dem EU-Recht, Fortschritten in den entsprechenden Bereichen der Südosteuropa-Strategie 2020 und einer Kapazitätsverbesserung bei potenziellen Empfängern von Finanzmitteln, die – vor allem im Rahmen der EU-Beitrittshilfe/-Heranführungshilfe – bereitgestellt werden.

     2. Nachhaltige Geschäftsmodelle
In strukturschwachen Grenzregionen werden für zuvor ausgewählte Wertschöpfungsketten nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt. Dazu gehören unter anderem die Produktion und Vermarktung von landwirtschaftlichen und wild vorkommenden Erzeugnissen, das lokale Handwerk, kulinarische Traditionen, ein nachhaltiger Tourismus sowie die Digitalisierung des ländlichen Raums. Damit knüpft das Projekt an frühere Maßnahmen an, die im Rahmen des gebietsbasierten Entwicklungskonzepts (Area Based Development Approach) durchgeführt wurden. Die Unterstützung erfolgt in Form von Schulungen, einer gezielten Investitionsförderung für wichtige Stakeholder des öffentlichen und privaten Sektors sowie durch die Förderung von Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb einer Wertschöpfungskette. Dabei besteht das Hauptziel darin, durch einen besseren Zugang zu Finanzierungslösungen, Dienstleistungen und Märkten den geschaffenen Mehrwert und die Beschäftigung zu steigern.

      3. Eine von den Gemeinden geführte gebietsbasierte Entwicklung
Das SEDRA-Projekt stärkt die Kapazitäten von lokalen und subregionalen Akteuren und öffentlich-privaten Stakeholder-Netzwerken (lokale Aktions-/Stakeholder-Gruppen, Netzwerke für ländliche Entwicklung). So sollen eine von den Gemeinden geführte gebietsbasierte Entwicklung gefördert und durch EU-Heranführungshilfe die Finanzierung der Akteure nachhaltig sichergestellt werden. Wichtige Punkte sind eine Verbesserung der Kooperation und des Zugangs zu Finanzmitteln, wobei die behandelten Themen von der Gestaltung einer finanziell nachhaltigen regionalen Zusammenarbeit bis hin zur finanziellen Förderung von kleinen Unternehmen und Gemeindeinitiativen reichen. Mithilfe des LEADER-Konzepts werden die Menschen dazu befähigt, Entwicklungsprozesse in ihren Gemeinden zu gestalten. Die Abkürzung LEADER steht für Links between the rural economy and development actions (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) und schreibt seit 1991 eine Erfolgsgeschichte bei der Unterstützung des ländlichen Raums in ganz Europa. Nur mit einem Bottom-Up-Ansatz, der auf breiten, sektorübergreifenden Partnerschaften zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft aufbaut, lassen sich Ressourcen mobilisieren und Kräfte bündeln, um eine Region weiterzuentwickeln und erfolgreich zu integrieren.

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