Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung in Libyen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung in Libyen 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Libyen
Politischer Träger: Libysches Gesundheitsministerium, Ministry of Health Libya
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2022

1 PHC Libya - offizielle Eröffnung

Ausgangssituation

Der Gesundheitssektor in Libyen ist aufgrund der anhaltenden politischen Krise und der verheerenden Sicherheitslage stark fragmentiert und deutlich geschwächt. Die öffentlichen Basisgesundheitseinrichtungen, die als erste Anlaufstelle für Allgemeinmedizin dienen, können keine ausreichende Versorgung gewährleisten. Für besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen, wie Menschen mit Behinderung oder Bedarf an psychosozialer Unterstützung, Mädchen und Frauen, Betroffene von Gewalt einschließlich geschlechtsspezifischer Gewalt, ältere Menschen, Binnenvertriebene sowie Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge sind Gesundheitsdienstleistungen zudem schwer zugänglich. 

Ziel

Die Basisgesundheitsversorgung in ausgewählten Gemeinden in Libyen ist hinsichtlich Qualität verbessert und das Angebot für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen erweitert.

2 PHC Libya - Family Practice Training

Vorgehensweise

Das Vorhaben wendet den Family Practice Approach (FPA) an, um die Erbringung und Ausweitung von Basisgesundheitsdienstleistungen in Libyen zu fördern. Im Mittelpunkt des Ansatzes stehen die Gesundheitsbedürfnisse der Menschen und ihre Erwartungen an die Gesundheitsversorgung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den FPA als zentralen Ansatz für die Basisgesundheitsversorgung der Länder des Mittleren Ostens und Nordafrikas (MENA). Das libysche Gesundheitsministerium hat den FPA im Jahr 2018 übernommen und führt ihn nun schrittweise ein. 

Zu Beginn des Vorhabens im Jahr 2018 wurden die Gesundheitsbedarfe der Bevölkerung in den 16 Partnergemeinden des Libyen-Programms der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH analysiert. Auf Grundlage der gewonnenen Ergebnisse wählten das libysche Gesundheitsministerium und die GIZ die acht Gemeinden mit den höchsten Gesundheitsbedarfen aus, die trotz des anhaltenden Bürgerkriegs für das Projekt weiterhin zugänglich sind. Die Aktivitäten des Vorhabens in den acht ausgewählten Gemeinden mit einer Bevölkerungszahl von etwa 420.000 Menschen sind in zwei Handlungsfelder unterteilt: 

Das erste Handlungsfeld umfasst die Steigerung der Funktionsfähigkeit ausgewählter Basisgesundheitseinrichtungen. Dies geschieht durch Schulungen am Arbeitsplatz, Ausstattung und Renovierung der Räumlichkeiten sowie die Instandhaltung und Wartung von medizinischen Geräten. Auch die Fachberatung zu klinischen Leitlinien und zur Erstellung von Lernmaterialien sowie die Unterstützung bei der Umsetzung von Qualitätsstandards sind Teil des Unterstützungsangebots. Das Vorhaben unterstützt Basisgesundheitseinrichtungen zudem bei der Erweiterung ihres Leistungsspektrums um Angebote für besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen. Dazu zählen Schwangerschaftsvorsorge, Behandlung von Menschen mit Behinderung, psychosoziale Unterstützung und Dienstleistungen für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt. Die Nichtregierungsorganisation International Medical Corps (IMC) ist Durchführungspartner vor Ort.

Das zweite Handlungsfeld umfasst übergeordnete Fort- und Weiterbildungen von Gesundheitspersonal aus den ausgewählten und weiteren Basisgesundheitseinrichtungen. Diese sollen die fachlichen, administrativen und organisatorischen Fähigkeiten steigern und somit die Qualität der Versorgung verbessern und eine bedarfsgerechte Ausrichtung des Angebots gewährleisten. Zusätzlich bildet das Vorhaben Ausbilderinnen und Ausbilder aus (Training of Trainers), unter anderem zum FPA und der Behandlung von chronischen Erkrankungen. Dadurch können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Weiterbildungsmaßnahmen in den eigenen Basisgesundheitseinrichtungen durchführen. Dieses Handlungsfeld wird in Kooperation mit akkreditierten nationalen Bildungseinrichtungen durchgeführt.

Neben den gezielten Aktivitäten in den zwei Handlungsfeldern unterstützt das Vorhaben die Einbindung der Zivilgesellschaft durch Basisgesundheitskomitees in den Gemeinden. Dort können sich Gemeindemitglieder einbringen, an zentralen Entscheidungen beteiligen und so die Gesundheitsversorgung vor Ort direkt mitgestalten. Zu den Aufgaben der Komitees gehört auch die Auswahl von Community Health Workers (CHWs), die als Verbindungsstelle zwischen Basisgesundheitseinrichtungen und der Gemeinde dienen. Das Vorhaben unterstützt das Gesundheitsministerium bei der Einführung und Ausbildung der CHWs.

3 PHC Libya klinischer Fortbildungskurs

Wirkung

Durch fortlaufende Kompetenzentwicklung des Gesundheitspersonals und zusätzlich eingeführte klinische Leitlinien, wie zur Behandlung von chronischen Erkrankungen, hat sich die Gesundheitsversorgung in den Gemeinden verbessert. Mehr als 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Gesundheitseinrichtungen der Partnergemeinden nahmen beispielsweise an Orientierungsworkshops zum FPA teil, von denen mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewählt wurden, um im nächsten Schritt zu eigenständigen Ausbilderinnen und Ausbildern ausgebildet zu werden.

Renovierungsarbeiten und Lieferungen von Medikamenten und medizinischer Ausstattung haben den Zugang zu medizinischen Dienstleistungen verbessert, insbesondere für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen.

Während der COVID-19-Pandemie unterstütze das Vorhaben ausgewählte Basisgesundheitseinrichtungen mit Schulungen zur COVID-19-Erkennung, Infektionsprävention und zur Aufrechterhaltung essenzieller Gesundheitsdienste.