Nachhaltigkeit und Wertschöpfungssteigerung in der Baumwollwirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltigkeit und Wertschöpfungssteigerung in der Baumwollwirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 
Länder: Burkina Faso, Indien, Kamerun, Usbekistan
Laufzeit: 2019 bis 2023

Ausgangssituation

Weltweit werden jährlich 26 Millionen Tonnen Baumwolle im Wert von 44 Milliarden Euro produziert. Mehr als 100 Millionen Bäuerinnen und Bauern in mehr als 80 Ländern sind an der Produktion beteiligt. Im Baumwollanbau arbeiten knapp 75 Prozent Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mit einer durchschnittlichen Farmgröße von zwei bis vier Hektar, oft in entlegenen ländlichen Regionen. Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textil- und Bekleidungsindustrie.

Der Preis für Rohbaumwolle wird an der New Yorker Börse festgelegt und schwankt sehr. Er hat einen hohen Einfluss auf das Wohlergehen vieler kleinbäuerlicher Betriebe weltweit. Für viele Produktionsländer ist Baumwolle ein bedeutender Lieferant von Exporterlösen. Es bleibt aber – vor allem in Afrika – größtenteils beim Export von Rohbaumwolle, da es an weiterverarbeitenden Strukturen der Textil- und Bekleidungsindustrie mangelt.

Die wirtschaftliche Entwicklung vieler Partnerländer der deutschen bilateralen Zusammenarbeit hängt somit von einer leistungsfähigen Landwirtschaft ab. Die Baumwolle ist dabei vielerorts ein Schlüssel der ländlichen Entwicklung. Gleichzeitig ist ihr erfolgreicher landwirtschaftlicher Anbau kein Garant für volkswirtschaftliche Entwicklungseffekte. Die Wertschöpfung aus nachhaltiger Baumwolle ist in den Partnerländern unzureichend.

Zudem gehen mit dem Baumwollanbau ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen einher. Diese reichen von einem unsachgemäßen Einsatz von Pestiziden über schwankende Erträge, hohe Inputkosten bis hin zu Kinder- und Zwangsarbeit. Der hohe Einsatz von Bewässerung und Pflanzenschutzmitteln wird als problematisch thematisiert.

Ziel

Die Wertschöpfung aus nachhaltiger Baumwolle ist in den Partnerländern des Globalvorhabens, darunter Kamerun, Burkina Faso, Usbekistan und Indien, gestiegen. Zudem haben sich die Einkommen der Baumwollanbauerinnen und -bauern verbessert. Sowohl in der Produktion als auch in der Weiterverarbeitung nachhaltiger Baumwolle wurden zusätzliche Arbeitsplätze im Land geschaffen. 

Vorgehensweise

Weltweit werden bestehende Plattformen, wie das Internationale Beratungskomitee für Baumwolle (International Cotton Advisory Committee, ICAC), besonders mit Blick auf internationale Strategien zur Steigerung der Nachhaltigkeit und Good Governance in der Baumwollwirtschaft eingebunden. Zivilgesellschaftliche Organisationen, vorwiegend freiwillige Nachhaltigkeitsstandards, wie die Better Cotton Initiative (BCI), Cotton made in Africa (CmiA), Fairtrade und Vertreter relevanter Biostandards, spielen eine zentrale Rolle in der Implementierung vor Ort in den Partnerländern. Ein besonderer Fokus liegt auf einer engen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sowie auf der Nutzung, Weiterentwicklung und Verbreitung von digitalen Lösungen, insbesondere zur Transparenz nachhaltiger Lieferketten.

Kleinbäuerliche Haushalte werden für die Erreichung nachhaltiger Anbaupraktiken und die Erfüllung internationaler Standards qualifiziert. Dies umfasst unter anderem Farmer Business Schools und technische Trainingsmodule. Unter anderem werden in Indien durch die BCI 140.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in nachhaltigen Anbautechniken trainiert. 

In der Beratung finden digitale Angebote und Plattformen verstärkt Verwendung. Gemeinsam mit dem ICAC wird durch die Entwicklung von „Virtual Reality (VR)“-Trainings für Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt der nachhaltige Baumwollanbau per VR-Brille erlebbar. 

Ein zielgruppen- und genderdifferenziertes Vorgehen wird durch nutzerorientierte Angebote bei den Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung sichergestellt. Hierbei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Einbindung von Frauen und jungen Erwachsenen gelegt.