Perspektiven in der Bekleidungsindustrie schaffen (develoPPP for jobs)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Textil-Trainingszentrum für den Industriepark in Hawassa
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Äthiopien
Partner: Phillips-Van Heusen (PVH), Hawassa Industrial Park Investors Association (IA), 
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2021

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Ausgangssituation

Die äthiopische Wirtschaft ist stark landwirtschaftlich geprägt. Langfristig gibt es hier allerdings nicht genügend Jobs für die schätzungsweise 54 Millionen Erwerbstätigen in Äthiopien. So strebt die Regierung eine Entwicklung in Richtung Produktion und Industrialisierung an. 

Erhebliches Potenzial bietet das verarbeitende Gewerbe, vor allem in der Textil- und Bekleidungsbranche. Der Industriezweig könnte dazu beitragen, dass Äthiopien bis 2025 ein Land mit mittlerem Einkommen wird, so die Auffassung der Regierung. Der weltweite Markt bietet erhebliche Exportmöglichkeiten. Gleichzeitig handelt es sich um eine Branche mit großem Potenzial für relativ gering qualifizierte Arbeitskräfte. Außerdem kann Äthiopien von der Baumwollernte bis zur Endfertigung komplette Produktionsketten aufbauen. 

Entsprechend groß sind die Bemühungen um ein Umfeld, das möglichst viele Investoren ins Land holt. In Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft und globalen Akteuren entstehen spezialisierte Industrieparks. Für den Bereich Textil- und Bekleidung gibt es zurzeit fünf solcher Parks, der größte ist der Hawassa Industrial Park (HIP). Diese Strategie ist erfolgreich: Die Branche verzeichnet ein extremes Wachstum. Allein im HIP produzieren bereits 21 internationale Bekleidungshersteller, wie zum Beispiel der Bekleidungskonzern Phillips-Van Heusen (PVH), für den amerikanischen und europäischen Markt. 

Grundlegend für eine weiterhin positive Entwicklung ist eine gut ausgebildete Jugend. Aktuell sind Wirtschaft und Industrie in dem Bildungsbereich weder ausreichend noch langfristig eingebunden. So gibt es kaum Abstimmung über Nachfrage und Qualifikationsbedarf von Arbeitskräften zwischen Unternehmen und Ausbilder*innen. 

Besonders die nicht ausreichend qualifizierten Arbeitskräfte aus dem unteren bis mittleren Management stellen die Unternehmen im HIP vor große Herausforderungen. Hohe Fluktuationsraten der Belegschaft behindern eine effiziente Produktion in den Fabriken. Schlecht ausgebildete Manager*innen tragen zu einer niedrigen Produktivität der Unternehmen bei. Viele Unternehmen greifen deshalb auf internationale Fachkräfte zurück. Diese sind jedoch teuer und schmälern die Produktivität der Firmen weiter. Weiterhin sind Lehrangebote von Ausbildungs- und Studiengängen wenig praxisorientiert. Es fehlt an notwendigen Kontakten zur Industrie. Darüber hinaus fehlen geeignete, zentralisierte Berufsberatungs- und Vermittlungsangebote, die Angebot und Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in Einklang bringen.

Ziel

Die Fähigkeiten von Mitarbeiter*innen des unteren- und mittleren Managements der Textil- und Bekleidungsindustrie im Hawassa Industrial Park (HIP) sind verbessert.
 

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Vorgehensweise

Das develoPPP for jobs Projekt entwickelt und fördert Aus- und Weiterbildungsprogramme und bietet Berufsberatungen an. Diese orientieren sich eng am Qualifikationsbedarf. Dadurch entwickelt das Vorhaben die Managementfähigkeiten und Soft-Skills aktueller und potenzieller Mitarbeiter*innen weiter, um Perspektiven in der Bekleidungs- und Textilindustrie im HIP zu schaffen.

Darüber hinaus werden durch die Zusammenarbeit mit dem Hawassa Polytechnic College, der Hawassa University und andere Universitäten langfristig lokale Bildungseinrichtungen gestärkt und potenzielle Mitarbeiter*innen (also Studierende und Absolvent*innen) angesprochen. . Dabei agiert das Projekt nah am bestehenden Bildungssystem und hat mit dem Ministry of Science and Education (MoSHE) einen starken Partner an seiner Seite. Durch Praxismodule in der Berufsausbildung und durch Praktikumsprogramme werden den angehenden Manager*innen wertvolle Einblicke in die praktische Arbeit gewährt. Dieses Vorgehen orientiert sich an der dualen Ausbildung in Deutschland. Der Austausch zwischen PVH und andere Unternehmen im HIP mit Studierenden beziehungsweise Absolvent*innen und deren Dozent*innen fördert den Transfer von Wissen und Fähigkeiten aus der Industrie an öffentlichen Institutionen und andersherum. 

In Beratungszentren erhalten die Auszubildenden und Studierenden neben Beratung auch Kompetenzbeurteilungen, um Schulungen und die weitere berufliche Laufbahn besser zu organisieren. Das Projekt arbeitet Positivbeispiele und gesammelte Erfahrungen so auf, dass sie auch in anderen Industrieparks und Regionen genutzt werden können. Insgesamt erhalten junge Menschen durch die Entwicklungspartnerschaft die Möglichkeit, in enger Zusammenarbeit mit der Industrie Zugang zu praxis- und nachfrageorientierter beruflicher Bildung und Hochschulbildung zu erhalten. Das Vorhaben trägt auf diesem Weg zur Verbesserung des Bildungssystems bei.

Wirkung

  • Bis September 2019 konnten sechs Unternehmen für den Erstversuch des Praktikumsprogramms gewonnen werden. 
  • In Workshops wurde die erste Testphase zum Ausbildungsbeginn 2019 geplant.
  • Der Unterricht für Auszubildende und Studierende hat Ende September 2019 begonnen. Im Oktober fanden erste Praktika in den Unternehmen statt.
  • Ausbilder*innen, Universitäten und den Unternehmen des HIP haben an soft-skill Trainings teilgenommen. 
  • Die erste Summer School wurde erfolgreich im Sommer 2019 durchgeführt. Insgesamt haben drei Lehrer*innen vom Hawassa Polytechnic College und sechs Dozent*innen von der Hawassa University erfolgreich teilgenommen. Sie haben wichtige Einblicke in die Arbeit im HIP bekommen. 
     

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