Förderung von Jugendlichen für eine friedliche Entwicklung in Libyen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Jugendlichen für friedliche Entwicklung in Libyen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Libyen
Politischer Träger: Behörde für Jugend und Sport 
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2021

Ausgangssituation

Seit den politischen Umbrüchen von 2011 ist Libyen von einer humanitären Krise und einer zunehmenden Fragilität geprägt. Die international anerkannte libysche Regierung der Nationalen Einheit (GNA) steht unter enormem Druck und ist nur schwach legitimiert. Die Krise hat sich seit dem erneuten Aufflammen des Bürgerkriegs Anfang April 2019 verschärft. Der aktuelle Konflikt zwischen regierungstreuen Milizen und der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) führt zu einer weiteren Erosion der staatlichen Verfasstheit. Die schlechte wirtschaftliche Lage, eine florierende Schattenwirtschaft sowie die Schwäche der staatlichen Strukturen befördern die Korruption und verschlechtern die Lebensgrundlagen der Bevölkerung weiter – insbesondere für junge Menschen bis 30 Jahre, deren Anteil bei über 50 Prozent liegt. Vor allem junge Männer waren und sind Hauptbeteiligte an bewaffneten Konflikten.

Junge Menschen sind sowohl als Opfer als auch als Täter stark von Gewalt betroffen. Gewalt wird von bewaffneten Milizen als legitimes Mittel zur Klärung von Konflikten vorgelebt, was sich auf die Sozialisation Heranwachsender auswirkt. Es mangelt in den Gemeinden an zielgruppengerechten Strukturen und Kompetenzen, um Konflikte konstruktiv und friedlich zu bearbeiten. Junge Männer und Frauen werden kaum in lokale Entscheidungen einbezogen und ihre Bedürfnisse und Perspektiven selten aufgegriffen. Staatliche oder zivilgesellschaftliche Strukturen einer aktiven Jugendförderung sind kaum vorhanden.

Ziel

Das Vorhaben verbessert die politische Teilhabe von Jugendlichen. Die Kompetenzen von Jugendmultiplikator*innen und lokalen Verwaltungen zur sozialen und politischen Teilhabe sind zunehmend gestärkt. 

Vorgehensweise

Das Vorhaben fokussiert auf drei Handlungsfelder, um die Voraussetzungen für eine bessere soziale und politische Teilhabe von Jugendlichen zu schaffen.

Stärkung der Kompetenzen von Akteuren des Jugendsektors zur Umsetzung von Maßnahmen der politischen Partizipation und friedlichen Teilhabe auf kommunaler Ebene:

Das Vorhaben schult Jugendmultiplikator*innen in Methoden der Jugend- und Gemeinwesenarbeit und der Friedensförderung. Darunter sind auch „innovative“ Methoden, die Sport mit Friedensarbeit oder Konfliktbearbeitung kombinieren.

Dabei werden folgende Maßnahmen anvisiert: Konzeption und Durchführung von gendersensiblen Fortbildungen, Trainings und Seminaren zu Konfliktprävention, Jugendförderung, bürgerschaftlichem Engagement, Menschen- und Frauenrechten, Inklusion sowie Sport für Entwicklung.

Etablierung und Gestaltung von sicheren Räumen für soziale und politische Beteiligung von Jugendlichen, insbesondere von jungen Frauen:

Das Vorhaben entwickelt einerseits gendersensible Nutzungskonzepte für „physische“ Räume (Sportclubs, Jugendzentren, Debattierclubs, Räumlichkeiten von lokalen Nichtregierungsorganisationen). Andererseits entwickelt es Konzepte für gendersensibel gestaltete virtuelle Räume, in denen sich Jugendliche sozial und politisch austauschen. Durch die Verbesserung zivilgesellschaftlicher Angebote, wie zum Beispiel Räume für Fortbildungen und „runde Tische“ für Jugendliche, werden Möglichkeiten für eine aktive gesellschaftliche Beteiligung geschaffen.

Stärkung der Kompetenzen lokaler Verwaltungen, um die politische Partizipation von Jugendlichen zu fördern:

Das Vorhaben bildet Vertreter*innen der lokalen Verwaltung aus Partnergemeinden zu Methoden der partizipativen Dialogführung und Jugendförderung weiter, um sie mit den ausgebildeten Jugendlichen (aus Handlungsfeld 1) in einen formalisierten Dialog zu bringen. Der Dialog hat zum Ziel, jugendrelevante Themen auf die Agenden der Bürgermeister*innen und anderer verantwortlicher Amtsträger*innen zu bringen.