Förderung des friedlichen und inklusiven Zusammenlebens, der Lebensgrundlagen und Wirtschaftskreisläufe in Anbar

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des friedlichen und inklusiven Zusammenlebens, der Lebensgrundlagen und Wirtschaftskreisläufe in Anbar
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Irak
Politischer TrägerPlanungsministerium Irak (Ministry of Planning, Iraq)
Gesamtlaufzeit2019 bis 2022

Ausgangssituation

Die irakische Provinz Anbar leidet noch immer unter den Folgen des Konflikts mit der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Die Besetzung durch den IS und der Kampf der internationalen Koalition gegen die terroristische Gruppe haben zur Vertreibung eines Großteils der Bevölkerung und zur Zerstörung der Infrastruktur in der Provinz geführt. Sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gebieten fehlt es an verlässlicher Elektrizitäts-, Wasser- und Abwasserversorgung, an intakten Straßen, Krankenhäusern, Schulen oder Märkten. Die wenige Infrastruktur, die noch vorhanden ist, wird zusätzlich von etwa 1,3 Millionen Binnenvertriebenen genutzt, die nach Ende der Kampfhandlungen in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

In der Vergangenheit war Anbar die Kornkammer des Irak, da es dort fruchtbares Land, und mit dem Euphrat und umliegenden Seen, eine ausreichende Wasserversorgung gibt. Vor dem Krieg haben die meisten Bewohner*innen der Provinz in der Landwirtschaft gearbeitet und so einen Lebensunterhalt für sich und ihre Familien verdient. Das gilt insbesondere für Frauen: mehr als 40 Prozent waren zuvor in der Landwirtschaft beschäftigt.

Aufgrund der zerstörten Infrastruktur und altmodischer Anbaumethoden können die Landwirt*innen derzeit nicht mit den importierten Waren konkurrieren. Es gibt nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten. Viele Menschen verlassen deshalb die ländlichen Regionen, um in den städtischen Zentren nach Arbeit zu suchen.

Ziel

Die zerstörte Infrastruktur ist in ausgewählten Gemeinden in Anbar wieder aufgebaut und die Lebensbedingungen der Bevölkerung sind verbessert.

Vorgehensweise

In Kooperation mit dem Planungsministerium unterstützt das Vorhaben den Wiederaufbau lokaler Wirtschaftskreisläufe und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die die Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Krisen machen. So wird die Bevölkerung in ausgewählten Gemeinden dabei unterstützt, ihre Produktivität zu steigern und somit ihr Einkommen zu erhöhen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung von Kleinbäuerinnen und -bauern.

Gemeinsam mit dem Norwegian Refugee Council arbeitet das Projekt beispielsweise daran, über 16 Kilometer an Bewässerungskanälen in Stand zu setzen und Pumpsysteme zu installieren. Damit sollen die Erträge auf einer Fläche von rund 50 Hektar erhöht werden. Zusätzlich werden bis zu 600 Familien mit 300 Gewächshäusern ausgestattet und in deren Nutzung geschult. Zusammen mit der Universität Anbar werden zudem Schulungen in modernen landwirtschaftlichen Methoden entwickelt. Durchdiese Kooperation soll auch ein neues Trainingszentrum entstehen, damit die angebotenen Kurse in den Bereichen Landwirtschaft und Unternehmertum möglichst praxisorientiert angeboten  werden können. Fundierte Kenntnisse in diesen Themen verbessern besonders für die junge Bevölkerung die Chance, einen Arbeitsplatz zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Um den lokalen Markt für landwirtschaftliche Erzeugnisse stärker zu fördern, werden Verkaufsflächen, Lagerhäuser und Einrichtungen der weiterverarbeitenden Industrie in Stand gesetzt. Das belebt die gesamte Wertschöpfungskette für Agrarprodukte und macht Wirtschaftskreisläufe nachhaltiger.

Die Baumaßnahmen und Aktivitäten zur Stabilisierung der Lebensgrundlagen und Wirtschaftskreisläufe werden durch friedensfördernde Aktivitäten ergänzt. Zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts in den Gemeinden werden beispielsweise Entscheidungsträger*innen und Repräsentant*innen geschult, Konflikte friedlich zu lösen. Sie werden damit zu wichtigen Multiplikator*innen in der gewaltfreien Konfliktbearbeitung.

Um die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen zu verstärken, arbeitet das Vorhaben mit der verhaltenswissenschaftlichen Einheit der Weltbank (eMBeD) zusammen. Gemeinsam werden die Ursachen für Konflikte oder die Nutzung traditioneller Methoden analysiert und darauf aufbauend Lösungen entwickelt, umgesetzt und ausgewertet. Das soll auf lange Sicht nicht nur eine Veränderung bewirken, sondern eine Akzeptanz der einzelnen Maßnahmen ermöglichen.

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